Trends für die norddeutschen Spielmobile

Die Jugendbildungsstätte Barmstedt in Schleswig-Holstein verwandelte sich am Sonntagmorgen des 28. März zu einer Großbaustelle, die sich über alle Räume, Flure und das Treppenhaus erstreckte. Bei der Bauleitung wurden Leuchttürme, ein Rathaus, ein Einkaufszentrum, Klettergärten, Schulen und vieles mehr beantragt und dann von SpielmobilerInnen errichtet. Die Handwerker ließen ihrer Kreativität freien Lauf und bauten allein, zu zweit oder in großen Gruppen verschiedenste Werke. Die Bauaufsicht begann nach zwei Stunden die Bauwerke abzunehmen und zum Abschluss wurde jedes einzelne präsentiert.

Garnet Kothe und Janina Opitz vom Spielmobil Flensburg hatten eigens für die Bauaktion in einem großen Anhänger 35000 Holzklötzchen mitgebracht. Dieses Projekt hatten die beiden bereits an allen Flensburger Grundschulen erfolgreich durchgeführt.

Die Bauaktion war nur einer der Höhepunkte der 19. Spielmobil-Tagung der Landesarbeitsarbeitsgemeinschaft Spielmobile Schleswig-Holstein e.V. (LAG). Zum Erfahrungsaustausch und Planung gemeinsamer Aktionen hatten sich 46 ehren- und hauptamtliche SpielmobilerInnen aus Norddeutschland zwei Tage lang in Barmstedt/Schleswig-Holstein getroffen. Vom Freitag, dem 26. März bis Sonntag, dem 28. März stand das diesjährige Treffen der LAG unter Motto „Handwerk“.

In Workshops zu den Bereichen Schmieden, Drechseln und Kupferarbeiten erfuhren die TeilnehmerInnen am Sonnabend unter fachmännischer Anleitung von drei Referenten aus Flensburg, welche Gegenstände ohne große Vorkenntnisse auch von Kindern angefertigt werden können. Den gesamten Körper und alle Sinne einzusetzen, war dabei eine besondere Erfahrung für die SpielmobilerInnen. Es wurde gehämmert, gefeilt, gesägt und geschliffen. Das ganze an der frischen Luft bei typisch norddeutschem Wetter.

Gerd Drick vom Spielmobil Flensburg leitete den Bereich Kupferarbeiten. In sieben Arbeitsschritten wurde dabei ein Kupferstreifen bearbeitet und in ein „Schmuckes“ Stück verwandelt. Gerd erzählte, wie gut dieses Projekt auf Flensburger Spielplätzen bei den Kindern ankommt.

Parallel zu den Handwerkern fand für die Bewegungsmenschen der Spielmobilszene am Nachmittag ein zweistündiger Praxisworkshop zum Thema Slackline statt. In diesem Workshop, der wegen Teilnehmerbegrenzung zweimal durchgeführt wurde, stand das Thema Sicherheit im Vordergrund. Der Sportwissenschaftler Andreas Mitschke vom Kreisjugendring Pinneberg, gab den TeilnehmerInnen eine fundierte Einführung, unter welchen Sicherheitsaspekten Niedrigseilbauten in der Spielmobilpraxis angewandt werden können.

Umrahmt wurde das Wochenende von zwei Spieleabenden, auf denen das Rollenspiel „Werwölfe aus Düsterwald“ bis in die frühen Morgenstunden gespielt wurde. „Das hat richtig Spaß gemacht“, war trotz müder Augen der allgemeine Tenor beim gemeinsamen Frühstück.

Die Tagung wurde außerdem genutzt, um die Vernetzung der norddeutschen Spielmobilszene voranzutreiben. Dafür setzten sich die SpielmobilerInnen am Samstagabend zusammen und entwickelten zwei gemeinsame Projekte.

Das erste Vorhaben ist die Norddeutsche Spielmobilkarawane, die erstmalig vom 11. bis 15. Oktober 2010 stattfinden soll. Fünf Spielmobile aus den Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern werden daran teilnehmen. Unter dem Motto „Spielmobiltour für Kinderrechte“ werden in Rostock, Hamburg, Lübeck, Wedel (oder Neumünster) und Flensburg Spielaktionen auf öffentlichen Plätzen stattfinden. Organisiert wird die Karawane von der LAG. Unterstützung dafür signalisiert das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW).

Warum die Karawane?

Die Arbeit der Spielmobile geschieht oft im Verborgenen. Kinderfreundlichkeit ist in der Gesellschaft leider immer noch ein Fremdwort. Mit der Karawane soll ein Synergieeffekt erzeugt werden, um auf die Notwendigkeit der Arbeit der Mobilen Spielpädagogik hinzuweisen. Wichtige Punkte sind dabei:

  • Die Spielmobilkarawane erzeugt eine große Öffentlichkeit.

  • Die Karawane erreicht viele verschiedene Orte, viele unterschiedliche Menschen, Jungen und Mädchen.

  • Befreundete Spielmobile und andere Initiativen können vor Ort andocken und ihre Bedürfnisse einbringen.

  • Projekte können vor Ort unterstützt werden. Spezifische Themen, wie etwa das Recht der Kinder auf Schutz auf der Flucht oder das Recht auf Gesundheit, werden dann thematisiert.

  • Die Karawane stärkt die Zusammenarbeit der norddeutschen Spielmobilszene.

Mit dem Kooperationspartner DKHW wird ein zusätzlicher positiver Effekt ausgelöst. Das DKHW hat dabei in den letzten Jahren bereits viele Projekte vor Ort unterstützt und gute Erfahrungen gesammelt.

Ein weiteres Vorhaben wurde auf dem Treffen verabredet: Am 29. Mai 2011 veranstalten sieben Spielmobile auf der Landesgartenschau Schleswig-Holstein in Norderstedt ein großes Spielfest. Die Veranstalter der Landesgartenschau unterstützen diese Aktion finanziell. Die LAG hofft, dass sich noch mehr Spielmobile anschließen werden.

2011 steht das Treffen der Norddeutschen Spielmobile unter dem Motto „Das Beste aus 20 Jahren Spielmobiltreffen in Schleswig-Holstein“. Die Ausschreibung und weitere Informationen findet ihr bald hier.

Email-Kontakt: LAG.Spielmobile@gmx.de

Ansprechpartner für die Spielmobilkarawane für Kinderrechte 2010 sind Jan Heidtmann vom SpielTiger aus Hamburg, Garnet Kothe vom Spielmobil der Stadt Flensburg und Jessica Lau von Linie 412 / Stadt Neumünster.